Kinder und Kosten – Teil 2

Kinder und Kosten – Teil 2

Von Curd

Nach dem ich am 11. September 2018 einen ersten Beitrag zum Thema Kinder und Kosten verfasst habe, sind einige Erfahrungen dazu gekommen, die ich hier gerne festhalten möchte. Es lohnt sich vorher auf jeden Fall den erwähnten Artikel einmal durchzulesen.

Anfangskosten

Mit Anfangskosten meine ich all die Dinge, die häufig schon vor oder direkt nach der Geburt angeschafft werden. Meistens weil… naja, weil… hmm… na irgendwer hat das irgendwann gesagt. Oder das stand da irgendwo. Ganz sicher. Wahrscheinlich auf dem Flyer von Hipp. Und dem von Babywalz. Und von Rossmann. Und in der Glückskind-App von DM. Und überhaupt macht man das halt so!

Spaß beiseite – über die meisten Punkte habe ich schon ausführlich in meinem vorherigen Artikel geschrieben. Ich hebe nochmal einige Punkte hervor, fasse zusammen und ergänze um unsere bisherigen Erfahrungen.

  • Kleidung: Der gebraucht-vs-neu-Rechnung aus dem oben genannten Artikel ist nichts hinzuzufügen. Die ersten Monate haben wir quasi alle 14 Tage den gesammten Kleiderschrank ausgemistet, wobei wir ausschlieslich Bodys, Strampler, Schneeanzüge und Mützen wirklich genutzt haben. Nach dem ersten halben Jahr kommt der Wachstumsschub dann langsam ins Stocken, so dass die Kleidung dann für zwei bis drei Monate getragen werden kann.
  • Spielzeug: Wird auch unglaublich gerne vorher gekauft, das meiste wird nie bespielt. Besorgt euch am besten gebraucht eine solide Grundausstattung von fünf Spielzeugen, der Rest kommt unweigerlich von ganz alleine dazu.
  • Kinderwagen oder Tragetuch: Erfahrungsgemäß zählt der Kinderwagen zur Erstausstattung, so auch bei uns. Gebraucht hätten wir ihn in den ersten sechs Monaten allerdings nicht. Das Tragetuch ist gerade am Anfang leichter zu handeln, das Kind fühlt sich wohler und man ist beweglicher. Abgesehen davon ist es preisgünstiger. Von Tragerucksäcken halte ich bei Neugeborenen hingegen nichts, denn das Tragetuch ist im Einsatz deutlich flexibler und angenehmer für die Kleinen. Daher mein Tipp: Zu Beginn reicht ein flexibles Tragetuch, nach einigen Wochen ein festes Tragetuch und sobald die acht bis neun Kilo erreicht werden ist der Wechsel zum Kinderwagen durchaus sinnvoll.
  • Babyschale fürs Auto: Wer sein Kind aus dem Krankenhaus im Auto nach Hause transportieren will, braucht eine Babyschale. Daran ist leider nicht zu rütteln. Und auch hier verhält es sich wie mit Kinderwägen: Die Dinger halten ewig, werden aber nur kurz benutzt. Daher bitte gebraucht kaufen, neu lohnt sich hier schlicht nicht.
  • Wickeltisch und andere Möbel: Hier sollte man zu Beginn den Ball flach halten. Ein Wickeltisch ist sinnvoll, alles andere sollte erst gekauft werden, wenn das kleine Bündel da ist. Denn dann wird man erleben, ob es sich angenehmer im Familienbett, im Beistellbett oder im eigenen Bettchen schlafen lässt. Es gibt leider keine Einheitslösung, jedes Baby schläft anders. Also erstmal nichts kaufen, sondern abwarten.

Wir haben spaßeshalber alle Kosten der letzten Monate gesammelt und aufsummiert. Zu Beginn haben wir insgesamt rund 1.000 EUR für die Erstausstattung investiert und einiges nie genutzt. Wie man die Kosten niedrig hält habe ich im oben erwähnten Artikel Kinder und Kosten erläutert.

Laufende Kosten

Auch hier gibt es unzählige Lebensmodelle und jedes bringt eine ganz eigene Kostenwelt mit sich. Ich gehe an dieser Stelle auf den von uns eingeschlagenen Weg ein und warum wir ihn immer wieder genau so gehen würden.

  • Ernährung: Ab dem ersten Tag stellt sich die Frage der Ernährung. Häufig klappt es mit dem Stillen nicht auf Anhieb und dann folgen Milchersatzprodukte, die natürlich auch etwas kosten. Um es kurz zu machen: Bei uns hat es drei Tage harte Arbeit gebraucht, damit die Kleine selbstständig trinken konnte. Aber die Arbeit lohnt sich. Muttermilch muss nicht dosiert werden, das Kind kann nicht zu viel zu sich nehmen und wird direkt mit den Abwehrkräften der Mutter versorgt. Natürlicher und gesünder geht es nicht. Und solange der Nachwuchs nicht aktiv versucht „mitzuessen“ reicht im die Milch völlig aus. Wenn die Möglichkeit besteht, sollte auf jegliche Zusatzprodukte in den ersten Monaten verzichtet werden.
  • Windeln: Man liest immer häufiger über windelfreie Erziehung und ich bin definitiv ein Fan von dem Gedanken – allein schon aus Gründen der Nachhaltigkeit. Geschafft haben wir das nie, dazu fehlt uns einfach der Wille, die Windel konsequent zu vermeiden. Wem es wie uns geht, wird rund 50 bis 60 Euro pro Monat für Windeln veranschlagen müssen.
  • Pflegeprodukte: Man bekommt im „Fachhandel“ einen haufen an Salben und Cremes, die unbedingt verwendet werden sollten. Laut Werbung zumindest. In der Realität geht es der jungen Haut am Besten, wenn man sie in Ruhe lässt. Auch der Windelbereich muss lediglich sauber und trocken gehalten werden. Nicht gepudert und eingecremt werden. Erst wenn sich irgendwo eine wunde Stelle zeigt, sollte man mit einer simplen Wundheilsalbe reagieren. Mit allem anderen löst man meist nur mehr Symptome aus.
  • Wetterschutzcreme: Dieses spezielle Produkt verdient einen Extrapunkt, denn eine gute Wetterschutzcreme ist in erster Linie kein Pflegeprodukt, sondern schützt die Haut eben gegen Wind und Wetter. Das macht vor allem in den ersten Wochen im Gesicht Sinn, denn die Cremeschicht wirkt wie eine Lage Stoff und bewahrt vor Auskühlung und anderen Wettereinflüssen. Die Alternative wäre eine Skimaske – modisch aber unpraktisch.
  • Badespaß: Einige Babys lieben es, andere… naja, sehen das Ganze eher kritisch. Im ersten halben Jahr haben wir komplett auf Badezusätze verzichtet und lediglich eine Kappe Olivenöl aus der Küche und ein paar Tropfen Muttermilch ins Wasser getan. Das Öl pflegt die Haut hervorragend, das Baby mag den Geruch der Muttermilch und die Olivennote gibt einem das Gefühl, man würde ein itlienisches Nudelgericht zubereiten. Top.

Verglicht man diese Liste mit diversen „Ratgebern“ für junge Eltern, fällt auf: Es braucht keinen Klimmbimm drumrum. Desto einfacher und natürlicher erzogen wird, desto günstiger werden die ersten Monate. Nach unserer Kostenbetrachtung kamen wir auf glatte 100 EUR im Monat. Inklusive Windeln und plötzlichen Anfällen von Spielzeugkaufsucht.

Sinnvolle Anschaffungen

Viel wichtiger und häufiger vernachlässigt ist die frühe Absicherung des Kindes. Denn wann immer man von Unfällen oder Krankheiten und andern Schicksalsschlägen fremder Familien hört oder liest, gilt in 90% der Fälle: Mit der passenden Absicherung wäre es weit weniger schlimm.

Da ich dieses Thema bereits im Artikel Kinder und Kosten bearbeitet habe, mache ich es mir an dieser Stelle einfach und klaue den Absatz von mir selbst:

Statt große Mengen an Geld in Kleidung und Spielsachen zu stecken, lohnt es sich, frühzeitig kleinere Beträge auf einem Sparkonto oder einem Vermögensdepot zu sammeln. So sind spätere Anschaffungen finanziert und Klassenfahrten verlieren ihren finanziellen Schrecken.

Wie man sein Kind mit geringen Monatsbeiträgen gegen diverse Risiken absichern und für die Zukunft vorsorgen kann, habe ich in dieser Liste stark zusammengefasst:

  • Private Haftpflichtversicherung ab dem ersten Tag: Der Nachwuchs kann meist ohne großen Aufwand telefonisch bei der eigenen Versicherung nachgemeldet werden und ist dann mit abgesichert. Achtung: Auf Absicherung nicht-deliktfähiger Kinder achten! Ist dies nicht möglich, Versicherung wechseln.
  • Unfallversicherung ab dem ersten Tag: Kostet meist weniger als 50 Euro im Jahr, und kann das ganze Leben durchlaufen. Die Absicherungshöhe sollte der der Eltern entsprechen, da der Kapitalbedarf im Schadensfall der gleiche ist.
  • Tagesgeld und/oder Depot ab dem ersten Tag: Rücklagen schaden nie und können auch für erste medizinische Zusatzleistung wie Osteopathie genutzt werden. Das Tagesgeld auf den Namen des Kindes mit vollem Zugriff für die Eltern ist stets meine erste Empfehlung. Wenn die Rücklagen groß genug sind, ist ein Depot zu empfehlen.
  • Pflegeabsicherung ab dem 07. Monat: Früher ist meist nicht möglich, die Absicherung muss das Pflegerisiko fürs Kind abdecken, bei Nichtnutzung Kapital für die Ausbildung ansammeln und später in eine Berufsunfähigkeitsabsicherung umgemünzt werden können. Alternativprodukte die diese drei Punkte nicht abdecken, sollten maximal eine Ergänzung darstellen.

Soviel an dieser Stelle zum Thema Kinderabsicherung, welche Versicherungen es generell gibt, findet sich hier.

Way to go

Nach einem Einblick in die Kostenwelt der Kindererziehung im ersten Jahr werde ich über die kommenden Monate weiter Erkenntnisse sammeln und auf meinem Blog teilen. Zum 01.01.2020 geht es für in die KiTa, womit sich eine ganz neue Welt eröffnet. Schaut daher gerne im kommenden Jahr gezielt nach Neuigkeiten zum Thema Kinder.

Bis dahin empfehle ich gerade im Hinblick auf die Absicherung des Nachwuchses die Lektüre des Artikels: Brauche ich einen Finanzberater?