Kinder und Kosten

Kinder und Kosten

Von Curd

Meine Frau und ich sind im siebten Monat schwanger und mit jeder Woche wächst die Freude daran, neue Sachen fürs Kind zu kaufen. Möbel, Kleidung, Spielzeug – alles ist irgendwie verlockend und wird am besten sofort mitgenommen.

Am Wochenende waren wir zum ersten Mal auf einem Kinderflohmarkt auf der Messe in Magdeburg und haben uns dort speziell nach Kleidung umgesehen. Und zusammenfassend muss ich sagen: Gebraucht kaufen ist hier enorm billig. Mit einem so großen Preisunterschied hatte ich im Vorfeld nicht gerechnet.

Natürlich gibt es in vielen Bereichen Zweifel an der Qualität von gebrauchten Dingen. Meine Handys, Monitore und Laptops kaufe ich auch lieber neu und mit Garantie. Aber wie viele Säuglinge haben sich bisher über einen gebrauchten Strampler aus der vorletzten Saison beschwert? Wie viele Kinderwagen kamen nach zwei Jahren Teilzeiteinsatz nicht mehr durch den TÜV? Und wie viele Babyschuhe mussten wegen durchgelaufener Sohlen entsorgt werden?

Ich rolle das Thema mal etwas mathematisch und trocken auf, aber ein Spoiler gleich vorweg:

Beim Kind lohnt sich der Gebrauchtmarkt!

Kostenpunkt Kleidung

Einzeln betrachtet sieht alles so niedlich und günstig aus, zusammengerechnet wird die Kleidung zu einem der teuersten Punkte während der ersten Jahre. Zum Vergleich schauen wir uns eine klassische Erstausstattung an und unterteilen sie direkt in drei Preiskategorien:

  • Kategorie 1
    • 3 Paar Babysocken
    • 2 Mützen
    • 1 Halstuch 
  • Kategorie 2
    • 6 Bodys
    • 6 Oberteile
    • 5 Hosen oder Strampelanzüge
    • 4 Strumpfhosen 
    • 3 Schlafanzüge
  • Kategorie 3
    • 1 Winteranzug
    • 1 Jacke

Um die Ausgaben vergleichen zu können, habe ich jeweils Durchschnittswerte für günstige Neuware, eher teure Neuware und gebrauchte Artikel gebildet. Dabei habe ich bewusst Markenware und beispielsweise preisintensivere Nachhaltigkeitsartikel außen vor gelassen und mich auf Hausmarken und No-Name-Artikel beschränkt.

Neu – No NameNeu – Hausmarkengebraucht
Kategorie 11,50 EUR3 EUR0,50 EUR
Kategorie 26 EUR20 EUR1,00 EUR
Kategorie 330 EUR5 EUR
Gesamt183 EUR558 EUR37 EUR

Und bevor wir über den Unterschied von über 500 EUR in der Erstausstattung sprechen, denken wir daran, dass die kleinen Biester nach spätestens drei bis vier Wochen neue Kleidung brauchen. Welche dann ebenfalls nur drei bis vier Wochen getragen wird, und dann durch teurere Kleidung ersetzt werden muss.

Daher die klare Empfehlung zu Flohmärkten und Messen. Außerdem sollte man dringend Eltern im Bekanntenkreis ansprechen, denn die Kleidung wird in den seltensten Fällen weggeschmissen. In der Regel belegen zahllose Windelkartons Dachböden und Keller, ohne sich an der Miete zu beteiligen.

Erfahrung aus den ersten vier Monaten, ergänzt am 16.03.2019:

Bodys, Strampler, Schneeanzüge & Mützen reichen aus. Unsere Kleine hat keinerlei Bedarf an Hosen, Socken, Schuhen, Hemdchen, Kleidchen, Blusen oder sonstigen Dingen, die wir selbstverständlich längst auf Lager haben. Für jede Größe vier Bodys und vier Strampler, sowie einen viel zu großen Schneeanzug und eine Mütze stellen einen perfekten Kleiderschrank dar.

Kinderwagen, Buggy und Kombimodelle

Die Auswahl des ersten fahrbaren Untersatzes fürs Baby ist sicher die emotionalste Entscheidung, die Eltern treffen: Diskussionen über Luftzirkulation, Schiebebügel und Guckfenster sind wahrscheinlich der Hauptgrund für viele Stornierungen von Hochzeitsterminen.

Ganz allgemein empfiehlt sich eine Kombilösung mit Babywanne und Kinderbuggy, die quasi „mitwächst“. Preislich bewegen sich neue und hochwertige Modelle zwischen 500 EUR und 1200 EUR und offenbar endet für viele werdende Eltern die Suche hier.

Die Frage, die ich mir dabei stelle, ist vornehmlich: Was muss einem Kinderwagen in den vier Jahren gewöhnlicher Nutzungszeit zustoßen, damit mein Kind beim Sitzen und Herumrollen gefährdet ist? Und was passiert mit den Kinderwagen nach der Erstnutzung? Gibt es einen Zweitmarkt im Ausland, vergleichbar mit gebrauchten Autos? Werden osteuropäische Innenstädte mit gebrauchten Kinderwagen aus Deutschland geflutet?

Nein, natürlich finden sich in diversen Internetbörsen unzählige Kinderwagen in bestem Zustand und mit 100 bis 200 EUR bekommt man hier auch hervorragende Markenprodukte. Und häufig gilt auch hier, dass die eigene Familie oder der Bekanntenkreis eventuell das ein oder andere noch auf Lager hat. Dennoch werden vergleichsweise wenig Kinderwagen gebraucht gekauft und vergleichsweise viele Kinderwagen dem Sperrmüll anvertraut.

Erfahrung aus den ersten vier Monaten, ergänzt am 16.03.2019:

So sehr kann man sich irren. Wir hatten das Glück den gebrauchten Kinderwagen meines Bruders abzustauben – und haben ihn keine fünf Mal benutzt. Statt dessen sind wir auf Tragetuch umgestiegen, mit einer Bindeanleitung unserer Hebamme. Der Aufwand ist geringer, man passt in jeden Fahrstuhl, kommt durch jeden Supermarkt und unsere Kleine ist durch die Nähe zu Mama oder Papa sehr viel entspannter als im Wagen.

Spielzeug

Für Männer wie mich ist der Nachwuchs die beste Ausrede um genau das Spielzeug zu kaufen, welches ich schon immer haben wollte. Ich muss nur meine Frau davon überzeugen, dass unsere Tochter mit drei Wochen den Legobausatz mit über 6.000 Teilen zusammenbaut, um dann mittels Drone und HD-Kamera davon Luftaufnahmen zu machen.

Es bleibt eine gewisse Kaufwut bei vielen Eltern und der Spaß, neues Spielzeug anzuschauen und im Laden gleich mitzunehmen. Hierbei sollte man sich über zwei Dinge bewusst werden:

  • Säuglinge und Kleinkinder haben eine sehr geringe Aufmerksamkeitsspanne. Ein Spielzeug, dass für ein bis zwei Tage nicht verfügbar war, ist genauso neu und spannend, wie ständige Neueinkäufe.
  • Wer Verwandtschaft hat, wird meistens regelrecht überschüttet. Ich erinnere mich an das letzte Weihnachten mit meinem kleinen Neffen, dessen Spielzeugberg nicht nur größer war als er selbst, sondern auch jedes Nachschubproblem eines mittelgroßen Toys’r’us gelöst hätte.

Da kleine Kinder den Wert von Spielzeug anhand erster wahrnehmbarer Reize wie Haptik, Akustik und Optik bewerten und nicht nach neu oder alt, viel oder wenig entscheiden, lohnt es sich die großen Investitionen für später aufzuheben. Selten beschwert sich Jemand über fehlende Geschenke zu seinem ersten Geburtstag.

Zusammenfassend reicht eine kleine (!) Auswahl an Spielzeug, die bei gründlicher Säuberung auch gebraucht gekauft werden kann. Umfangreiche Anschaffungen sind meist eher Verschwendung.

Erfahrung aus den ersten vier Monaten, ergänzt am 16.03.2019:

Wir haben circa fünf Spielzeuge gekauft, die völlig ausreichen. Die übrigen 50 kommen von Familienmitgliedern, Bekannten, Firmen die uns werben wollen und Drogerieketten. Und verstauben in Schubladen und Schränken.

Sinnvolle Anschaffungen

Statt große Mengen an Geld in Kleidung und Spielsachen zu stecken, lohnt es sich, frühzeitig kleinere Beträge auf einem Sparkonto oder einem Vermögensdepot zu sammeln. So sind spätere Anschaffungen finanziert und Klassenfahrten verlieren ihren finanziellen Schrecken.

Wie man sein Kind mit geringen Monatsbeiträgen gegen diverse Risiken absichern und für die Zukunft vorsorgen kann, habe ich in dieser Liste stark zusammengefasst:

  • Private Haftpflichtversicherung ab dem ersten Tag: Der Nachwuchs kann meist ohne großen Aufwand telefonisch bei der eigenen Versicherung nachgemeldet werden und ist dann mit abgesichert. Achtung: Auf Absicherung nicht-deliktfähiger Kinder achten! Ist dies nicht möglich, Versicherung wechseln.
  • Unfallversicherung ab dem ersten Tag: Kostet meist weniger als 50 Euro im Jahr, und kann das ganze Leben durchlaufen. Die Absicherungshöhe sollte der der Eltern entsprechen, da der Kapitalbedarf im Schadensfall der gleiche ist.
  • Tagesgeld und/oder Depot ab dem ersten Tag: Rücklagen schaden nie und können auch für erste medizinische Zusatzleistung wie Osteopathie genutzt werden. Das Tagesgeld auf den Namen des Kindes mit vollem Zugriff für die Eltern ist stets meine erste Empfehlung. Wenn die Rücklagen groß genug sind, ist ein Depot zu empfehlen.
  • Pflegeabsicherung ab dem 07. Monat: Früher ist meist nicht möglich, die Absicherung muss das Pflegerisiko fürs Kind abdecken, bei Nichtnutzung Kapital für die Ausbildung ansammeln und später in eine Berufsunfähigkeitsabsicherung umgemünzt werden können. Alternativprodukte die diese drei Punkte nicht abdecken, sollten maximal eine Ergänzung darstellen.

Soviel an dieser Stelle zum Thema Kinderabsicherung, welche Versicherungen es generell gibt, findet sich hier.