Geförderte Altersvorsorge

Geförderte Altersvorsorge

Von Curd

Nicht erst seit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz zum 01.01.2018 ist klar: Die gesetzliche Rente wird nicht reichen. An dieser Stelle verzichte ich mal auf Hochrechnungen und Statistiken, denn das Wissen um die kommenden Rentenlücken hat in Form eines Hinweises bereits Einzug in den jährlichen Rentenbescheid der DRV gefunden.

Über die vergangenen Jahre hat der deutsche Gesetzgeber in regelmäßigen Abständen Gesetzesänderungen und Förderkonzepte hervorgebracht, die uns Deutsche von der Altersrente über Rentenversicherungen überzeugen sollen. Und das mit Recht, denn noch immer gibt es erschreckend viele Deutsche, die sich voll und ganz auf die gesetzliche Rente verlassen. Ähnlich besorgniserregend sind in meinen Augen auch die verschiedenen YouTuber und Börsenblogger, die der Meinung sind, ein mittelgroßes Aktiendepot ersetze die Altersvorsorge in Form von Rentenversicherungen. Daher an dieser Stelle der Hinweis: Der Grund für die Förderung der Rentenversicherungen ist die Tatsache, dass es bis heute keine anderen vergleichsweise sicheren Finanzprodukte gibt, die mir eine monatliche Rentenleistung bis zum Lebensende garantieren. Zinsen und Dividenden eines Aktiendepots sind stark risikobehaftet und gerade in krisenreichen Zeiten absolut unzuverlässig. Als Beimischung super und definitiv zu empfehlen, als Grundpfeiler der Altersvorsorge hingegen hochriskant.

Aus diesen und weiteren Gründen existieren in Deutschland das Drei-Schicht-System im Bereich der Rentenversicherungen, auf welches ich in einem Artikel zur Altersvorsorge bereits eingegangen bin:

Schicht 1 – Basisrente

Die Nummerierung lässt etwas anderes vermuten, aber tatsächlich ist die Basisrente die jüngste Form der geförderten Altersvorsorge und wurde erst 2005 ins Leben gerufen. Auf die DRV möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen, schauen wir uns daher die Basisrente genauer an:

  • Alle Einzahlung in die Basisrente sind bis zu einem Höchstbetrag zu einem gewissen Prozentsatz steuerfrei.
  • Der Höchstbetrag gilt für alle kumulierten Einzahlungen in die DRV und die Basisrente, also für die gesamte Schicht 1.
  • Der Prozentsatz der Steuerfreiheit steigt von Jahr zu Jahr und liegt in 2018 bei 86%.
  • In der Auszahlungsphase wird die Rente als zu versteuerndes Einkommen behandelt. Genau genommen wird nur ein prozentualer Anteil versteuert, dieser wird in den kommenden Jahren bis 2040 auf 100% ansteigen.
  • An die Basisrente können Erweiterungen „gekoppelt“ werden, die dann ebenfalls der steuerlichen Behandlung der Basisrente unterliegen. Beispielsweise Todesfall- und Berufsunfähigkeitsversicherungen.
  • Die Basisrente beschreibt nur eine Gestaltungsform einer privaten Rente und kann daher klassisch-konventionell, fondsgebunden oder als Fondssparplan Kapital anlegen.

Bei einem Jahresbruttoeinkommen von 42000 EUR im Jahr 2018 und einem Sonderausgabenabzug von pauschal 1000 EUR ohne weitere Besonderheiten (ledig, keine Kinder, etc.) wird eine jährliche Sparrate in die Basisrente über 1200 EUR eine Steuererstattung von rund 350 EUR (ca. 29%) auslösen. Nach Abzug der Beiträge zur DRV vom förderfähigen Höchstbetrag für die Schicht 1 wäre eine jährliche Einzahlung von weiteren 14.700 EUR möglich, dabei würde die steuerliche Förderung aufgrund des sinkenden Grenzsteuersatzes auf circa 26% „schrumpfen“. Der förderfähige Anteil der Basisrente erhöht sich dabei jährlich in kleinen Schritten bis 2025 auf 100%.

In der Auszahlungsphase muss die Basisrente als lebenslange Rente ausgezahlt werden. Sie wird als Einkommen angerechnet und erhöht damit das zu versteuernde Einkommen. Die exakte Besteuerung ist recht kompliziert in der Berechnung, da die Höhe der DRV, alle weiteren geförderten Rentenprodukte und weitere Einkunftsarten wie Kapitalerträge mit den dann geltenden Freibeträgen und Erleichterungen verrechnet werden müssen. Auf eine Besteuerung von über 20% durchschnittlich dürften aber nur die wenigsten kommen und in meinen bisherigen Hochrechnungen für Kunden kamen wir nur sehr selten über 10%.

Koppelt man eine Zusatzversicherung mit der Basisrente, erweitert sich die geltende Steuerfreiheit auch auf das Zusatzprodukt. Daher kann, bei gutem Einkommen, die Kopplung mit einer Berufsunfähigkeitszusatzversicherung sehr sinnvoll sein.

Damit ist die Basisrente dank Förderung eine hervorragende Grundlage für die Altersvorsorge – ein bisschen weniger Förderung als im Riester oder in der bAV, dafür deutlich mehr Fassungsvermögen.

Schicht 2 – Riester

Die Funktionsweise des Riester habe ich bereits detailliert in diesem Artikel beschrieben. Hier aber nochmal die Eckdaten:

  • Förderfähig sind alle rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmer, Beamte und rentenversicherungspflichtige Selbstständige. Zusätzlich gibt es weitere Berufsgruppen, auf die Sonderregeln zutreffen.
  • Zahle ich 4% meines rentenversicherungspflichtigen Vorjahresbruttoeinkommen abzüglich der mir zustehenden Zulagen innerhalb eines Kalenderjahres in den Riester ein, erhalte ich die entsprechenden Zulagen.
  • Pro Kopf erhält jeder Sparer die Grundzulage von 175 EUR.
  • Pro Kind, das vor 2008 geboren wurde, gibt es 185 EUR.
  • Pro Kind, das ab 2008 geboren wurde, gibt es 300 EUR.
  • Wer zum 1. Januar seines ersten Riester-Sparjahres unter 25 ist, erhält einmalig 200 EUR Zulage.
  • Die geleisteten Beiträge samt Zulagen können als Sonderausgaben abgesetzt werden. Achtung: Steuerersparnis und Zulagen werden miteinander verrechnet.
  • In der Auszahlungsphase wird die Rente als zu versteuerndes Einkommen behandelt.
  • Es können mit Rentenbeginn einmalig 30% des Kapitals als Einmalauszahlung entnommen werden, der Rest wird lebenslang verrentet.

Vereinfacht gesagt wird der Riester wie die Basisrente behandelt, mit sofortiger vollständiger Absetzbarkeit, extra Zulagen und anteiligem Kapitalwahlrecht zum Rentenbeginn. Die Beiträge zum Riester sind allerdings bei maximal 2.100 EUR im Jahr inklusive Zulagen gedeckelt, womit diese Form der Altersvorsorge nicht ausreicht.

Die steuerliche Betrachtung ist vergleichbar mit der Basisrente, es handelt sich aber um getrennte „Töpfe“, die sich keinen gemeinsamen Höchstförderbetrag teilen.

Idealerweise lässt sich der Riester als Ergänzung „vollmachen“, um zusätzlich in größere Verträge wie Basisrenten oder ungeförderte Produkte zu sparen.

Schicht 2 – bAV

Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz wurde die betriebliche Altersvorsorge erneut gestärkt. Das größte Alleinstellungsmerkmal ist, dass nicht der Arbeitnehmer die Versicherung abschließt, sondern nur das für sich passende Produkt wählt. Der Abschluss erfolgt dann über den Arbeitgeber.

Förderfähig sind Einzahlungen von 4%, bzw. 8% der aktuellen Beitragsbemessungsgrenze (BBG) der DRV. Dabei sind die Beiträge bis 4% der BBG sozialversicherungs- und steuerfrei, bis 8% der BBG steuerfrei. Um es einfach zu machen: 2018 kann ich monatlich 260 EUR sozialversicherungs- und steuerfrei und weiter 260 EUR steuerfrei einzahlen. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich die Beiträge selber zahle oder mein Arbeitgeber zusätzlich einen Anteil übernimmt. Es dürfen insgesamt nicht mehr als 260 EUR, bzw. 520 EUR monatlich sein und jeder darf die Euros geltend machen, die er selber einzahlt.

Aufgrund der Komplexität der bAV verweise ich an dieser Stelle auf meinen bereits erstellten Beitrag und verzichte auf eine erneute Darstellung. Für den Vergleich mit Riester- und Basisrente nur so viel:

Durch vollständige steuerliche Absetzbarkeit und zusätzliche Sozialversicherungsfreiheit ist die bAV trotz einiger Herausforderungen für mich die Nummer 1 der geförderten Altersvorsorge.

Welche Form der geförderten Altersvorsorge lohnt sich am meisten?

Es sollte nie eine Entscheidung über „entweder – oder“ sein, sondern eine Aufteilung der eigenen Sparprozesse auf verschiedene Produkte. Solange man ein mittleres bis gutes Arbeitseinkommen hat, ist in der Regel eine gleichzeitige Nutzung aller Produkte anzuraten. An erster Stelle steht daher die eigene Planung:

  1. Wie stelle ich mir meinen Lebensstandard fürs Alter vor?
  2. Wie viel Kapital benötige ich monatlich für diesen Lebensstil?
  3. Wie viel muss ich heute sparen, um dieses Kapital im Alter zur Verfügung zu haben?
  4. Wie viel von dieser Sparrate möchte ich für geförderte Altersvorsorge und damit fix für die Rente einplanen?

Die fertige Sparrate muss jetzt auf die Alternativen aufgeteilt werden. Dabei ist nicht nur die Förderung, sondern auch der höchstmögliche Einzahlbetrag zu beachten. Es gibt keine allgemeingültige Lösung, wie man am besten mit den Möglichkeiten umgeht, alles hängt von der eigenen Lebenssituation und -planung ab. Bei Summen um die 400 Euro kann beispielsweise folgende Aufteilung sinnvoll sein, sofern ausschließlich in die genannten Produkte investiert wird:

  • Betriebliche Altersvorsorge über 260 EUR, da hervorragend gefördert.
  • Riester-Rente für rund 160 EUR (unverheiratet, ohne Kinder, förderfähig), da steuerfrei und zulagenberechtigt.
  • Restbudget für zusätzliche bAV (steuerfrei, aber über Arbeitgeber) oder Basisrente (steuerfrei und in eigener Verwaltung, aber gebunden an lebenslange Rente).

Möchte man hingegen die Basisrente mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung kombinieren, schließt man sie am besten vor dem ersten Einkommen (Riester) und vor dem ersten Arbeitsverhältnis (bAV) ab. Damit orientiert sich das Restbudget dann an der Abschlusshöhe der Basisrente.

Wie bereits erwähnt, habe ich zur Altersvorsorge bereits einen ausführlichen Artikel mit Produkterklärungen und Hintergründen verfasst, in dem ich auch auf ungeförderte Produkte und Lösungen außerhalb der Rentenversicherungen eingehe.