Der Versicherungvertreter

Der Versicherungvertreter

Von Curd

Die meisten meiner Kunden finden im Laufe ihres Studiums zu mir, also zwischen dem 20. und dem 30. Lebensjahr. In dieser Phase gibt es häufig noch einen freundlichen Vertreter, der seit Jahren die Familie berät und gelegentlich die Eltern auf einen Kaffee besucht.

In Situationen wie dieser muss ich jeden meiner Kunden darauf vorbereiten, dass wir früher oder später über die Verbindung zum Versicherungsvertreter sprechen müssen und dass das auch mal unangenehm werden kann. Nicht weil der Vertreter ein schlechter Mensch ist, sondern weil er beruflich Jemandem verpflichtet ist. Und zwar nicht dem Kunden.

Bevor ich ins Detail gehe empfehle ich meinen Artikel zum Thema Finanzberater, aber es geht prinzipiell auch ohne.

Zuerst einmal müssen wir uns anschauen, wer hier wie für wen arbeitet. Der Versicherungsvertreter ist nicht nur an seiner Berufsbezeichnung erkennbar, sondern auch daran, dass er ausschließlich eine Versicherungsgesellschaft und eventuell noch eine Bank, sowie eine Bausparkasse usw. dabei hat. Zum Beispiel gehören die ÖSA, ÖRAG, Sparkasse und die LBS zusammen. Also zu jeder Produktart immer nur einen Anbieter. Die Aufgabe des Versicherungsvertreters ist nicht (!) die Beratung des Kunden. Sondern laut gesetzlichen Vorgaben und seinem Arbeitsvertrag der Verkauf der Versicherungen seines Arbeitgebers.

Manche Vertreter kommen von einer anderen Firma, beispielsweiße A & B Consulting oder etwas ähnliches, obwohl auf allen Produkten immer die gleiche Versicherung steht. Das liegt dann daran, dass der Vertreter selbstständiger Gewerbetreibender ist, von Provisionen lebt und dennoch in direkter Abhängigkeit von der Versicherung arbeitet. So spart sich die Gesellschaft ein Festgehalt mit Lohnnebenkosten und der Vertreter ist durch seine Provision leicht überprüf- und motivierbar.

Wir fassen damit zusammen:
Der Versicherungsvertreter arbeitet niemals für den Kunden, er arbeitet immer und ausschliesslich für die Versicherung.

Was bedeutet das für mich

Solange ich die Versicherungen nicht in Anspruch nehme, sondern nur bezahle, ist alles super. Denn ich möchte versichert sein, der Vertreter möchte mit dem Verkauf einer Versicherung Provisionen verdienen und die Gesellschaft will ihre Versicherungen verkaufen. Eine Win-Win-Win-Situation.

Sobald ein Schadensfall eintritt, können sich zwei Situationen ergeben.

  • Kleiner Schadensfall: Alles im drei- oder vierstelligen Bereich ist eher klein. Beispielsweise ein Sturmschaden unter zehntausend Euro. Ich möchte den Schaden bezahlt bekommen, der Vertreter will für gute Laune sorgen (um zukünftig weiter Provisionen zu bekommen), die Gesellschaft will mich als Kunden behalten (für die zukünftigen Beiträge). Hier ist häufig noch alles super, aber mal ganz ehrlich: Hätte ich eine gewisse Rücklage auf meinem Tagesgeldkonto aufgebaut, hätte ich die Versicherung notfalls gar nicht gebraucht.
  • Großer Schadensfall: Riskant wird es jetzt bei den Fällen, bei denen ich definitiv eine Absicherung brauche, da ich ansonsten den Boden unter den Füßen verliere. Beispielsweise ein Haftpflichtschaden in sechsstelliger Höhe. Denn jetzt möchte ich den Schaden bezahlt bekommen, der Vertreter möchte mich wahrscheinlich trotzdem als Kunden behalten, aber die Gesellschaft möchte auf gar keinen Fall zahlen. Jetzt zwingt die Gesellschaft den Vertreter dazu, sich „von mir abzuwenden“ und für die Versicherungsgesellschaft einzustehen.

Ein Blick ins Gesetz macht hier nochmal klar wo das Problem liegt. Zuersteinmal die Erklärung zum Versicherungsvertreter:

„(2) Versicherungsvertreter im Sinn dieses Gesetzes ist, wer von einem Versicherer oder einem Versicherungsvertreter damit betraut ist, gewerbsmäßig Versicherungsverträge zu vermitteln oder abzuschließen.“

§ 59 VVG Absatz 2

Und im Vergleich der Versicherungsmakler:

„(3) Versicherungsmakler im Sinn dieses Gesetzes ist, wer gewerbsmäßig für den Auftraggeber die Vermittlung oder den Abschluss von Versicherungsverträgen übernimmt, ohne von einem Versicherer oder von einem Versicherungsvertreter damit betraut zu sein. […]“

§ 59 VVG Absatz 3

Zusammengefasst daher die klare Unterscheidung: Der Vertreter vertritt den Versicherer, der Makler den Auftraggeber, also den Kunden. Der Vertreter ist jetzt also dazu verpflichtet, im Sinne seines Auftraggebers, nämlich der Versicherung zu handeln. Er muss daher nach Möglichkeiten suchen, den Kunden auf seinen Kosten sitzen zu lassen und die Versicherung vor Schaden zu bewahren. Er kann noch so nett und ehrlich sein, er ist dazu verpflichtet!

Und damit kann der Versicherungsvertreter der beste Freund des Kunden sein, aber im Falle eines großen Schadens hört die Freundschaft schon rein gesetzesmäßig auf.

Fazit

Der Versicherungsvertreter kann fachlich und menschlich top in Ordnung sein. Generell ist es auch nicht verkehrt, Versicherungen von einem Vertreter zu beziehen und eine Freundschaft aufzubauen. Ich darf als Kunde nur niemals davon ausgehen, dass der Vertreter eine Betreuungsfunktion in einem ernsten Schaden übernimmt. Möchte ich Jemanden, der im schlimmsten Fall gesetzlich auf meiner Seite steht, muss ich mir einen Versicherungsmakler suchen.

Und da Vertreter und Makler bei Abschluss der Versicherung über die Provision bezahlt werden, muss ich diese Entscheidung natürlich sehr früh treffen. Wenn der Schadensfall eintritt, ist es zu spät. Denn den Vertreter über die Provision zu bezahlen, um den Schadensfall dann umsonst von einem Makler betreuen zu lassen… – ich glaube das erklärt sich von selbst.

Wichtiger Hinweis

Man könnte aus diesem Artikel herauslesen, dass ich ein Gegner der Versicherungen bin. Dem ist ganz und gar nicht so, die meisten deutschen Versicherer machen einen hervorragenden Job (wenn die Verträge gut betreut sind). Als Makler bin ich stets ein Vermittler für beide Seiten und handele dabei immer im Interesse und im Auftrag des Kunden.

Und Versicherer haben nunmal die Aufgabe alle Mitversicherten vor Schaden zu bewahren. Dazu gehört auch, die Beiträge günstig zu halten. Und das geht nur, wenn kritische Schadensfälle abgewiesen werden.