Wie funktioniert Altersvorsorge?

Wie funktioniert Altersvorsorge?

Von Curd

Die Altersvorsorge rund um den Globus folgt einem simplen Prinzip:

Man erntet, was man sät.

Die Herausforderung, vor der wir stehen, ist, dass wir erst in einigen Jahren erkennen können, welcher Weg der richtige war (und das, nachdem wir bereits einen Weg eingeschlagen haben). Zusätzlich haben unsere Entscheidungen ein Ablaufdatum: Befassen wir uns zu spät mit unserer Altersvorsorge, fehlt uns eventuell vor unserem Ruhestand die Zeit, das notwendige Kapital aufzubauen.

Generell gilt: Der Begriff Altersvorsorge bedeutet nichts anderes, als dass ich für mein Alter vorsorge. Mit welchem Alter ich in den Ruhestand gehe, ist mir überlassen. Genauso die Definition von Vorsorge. Während für den Einen eine hohe regelmäßige Monatszahlung ausschlaggebend ist, versteht ein Anderer darunter einen hohen Kapitalstock, eine eigene Immobilie oder vielleicht einen selbstversorgenden Bauernhof in Nordirland. Das sorgt in Internetforen immer wieder für unterhaltsame Auseinandersetzungen zwischen anonymen Usern. Hier treffen unterschiedlichste Auslegungen bezüglich Rendite, Aufwand, Zielsetzung und Lebensqualität aufeinander.

Das Prinzip ist immer gleich: Während unserer Erwerbstätigkeit sammeln wir Vermögenswerte an, die wir während unseres Ruhestands nach und nach verbrauchen. Je nach Ausgestaltung der Vermögenswerte halten diese bis zum Lebensende oder liefern Auszahlungen für eine vordefinierte Anzahl von Jahren. Die Grafik soll an dieser Stelle keine Orientierung bezüglich der Sinnhaftigkeit der einzelnen Punkte geben und ist nicht vollständig.

Im Folgenden gebe ich einen Überblick über die verschiedenen Werkzeuge, die für den Aufbau einer stabilen Altersvorsorge zur Verfügung stehen.

Lebensversicherungen

Der Begriff der Lebensversicherung umfasst zwei Bereiche: Absicherung von biometrischen Risiken (z.B. Berufsunfähigkeit, Invalidität oder Tod) und Absicherung des Langlebigkeitsrisikos (Kapitalaufbau zur einmaligen Auszahlung oder Verrentung). Handelt es sich um letzteres und wird bereits geplant, das Kapital zu verrenten oder für das Alterseinkommen zu nutzen, sprechen wir von Rentenversicherung. In Deutschland lassen sich Rentenversicherungen in drei Schichten einteilen:

Schicht 1 – Steuerlich begünstigt

  • Deutsche Rentenversicherung (DRV): Die Beiträge sind bis zu einem Höchstbeitrag steuerlich abzugsfähig, die Altersrente wird als Einkommen versteuert und wird bis zum Lebensende gezahlt.
  • Basisrente oder Rürup-Rente: Die Beiträge sind bis zu einem Höchstbeitrag anteilig steuerlich abzugsfähig (2018 zu 86%), die Altersrente wird als Einkommen anteilig versteuert (2018 zu 76% / 2040 zu 100%). Das gesammelte Kapital muss in Form einer lebenslangen Rente ausgezahlt werden.
  • Der maximal absetzbare Höchstbeitrag für beide Bausteine beträgt 2018 exakt 23.712 Euro im Jahr.

Schicht 2 – Steuerlich begünstigt mit weiteren Vorzügen

  • Betriebliche Altersversorgung (bAV): Die Beiträge sind bis zu einem Höchstbeitrag steuerlich abzugsfähig und werden zusätzlich von der Sozialversicherungspflicht befreit, die Altersrente wird als Einkommen versteuert. Das gesammelte Kapital kann in Form einer lebenslangen Rente ausgezahlt werden, unter Umständen besteht die Möglichkeit einer einmaligen Kapitalauszahlung.
  • Riester-Rente: Die Beiträge sind bis zu einem Höchstbeitrag steuerlich abzugsfähig und werden zusätzlich mit einer jährlichen Zulage belohnt, die Altersrente wird als Einkommen versteuert. Das gesammelte Kapital muss in Form einer lebenslangen Rente ausgezahlt werden, bei Renteneintritt können alternativ 30% des gesammelten Kapitals als Einmalauszahlung entnommen werden.
  • Beide Bausteine sind nur oberflächlich dargestellt, hier erfahrt ihr mehr: Riester und bAV.

Schicht 3 – Keine steuerliche Auswirkung in der Beitragszeit

  • Private Renten: Der Begriff ist irreführend, denn streng genommen gehört jede der genannten Rentenarten mit Ausnahme der DRV in der Regel euch als Privatperson. Mann kann die Bezeichnung so auslegen, dass hier keinerlei steuerliche Förderung genutzt werden kann, die jeweilige Verwendung aber auch Privatsache ist. Das heißt das Kapital kann als Rente bezogen werden, als Einmalzahlung ausgeschüttet werden, als Finanzierungsinstrument für eine Immobilie genutzt werden oder verschenkt werden (die Liste lässt sich beliebig erweitern, diese vier Nutzungsarten sind aber die häufigsten). Natürlich wäre das Finanzamt sehr traurig, wenn die private Rente nicht versteuert werden würde. Daher zahlt man auf den Ertragsanteil Steuern, das heißt auf die gewonnenen Zinsen. Je nach Laufzeit und Lebenssituation verändert sich die Besteuerung, hierzu werde ich in den kommenden Wochen einen weiteren Artikel verfassen.

Kapitalanlagen und alternative Investments

Rein technisch ist es natürlich möglich, die gesamte Altersvorsorge aus Lebensversicherungen zu gestalten. Um das Ganze aber etwas lebendiger und vor allem flexibler zu gestalten, rate ich ganz stark zur Diversifikation. Die folgende Liste an Kapitalmarktprodukten gibt schonmal einen guten Überblick.

Börsenabhängige Produkte

  • Wertpapierdepot: Ein Depot lässt sich am leichtesten als Einkaufswagen beschreiben, mit dem ich durch den Kapitalmarkt fahre und die Produkte einsammle, die ich haben möchte. Um Aktien, Anleihen und andere Produkte einzeln handeln zu können, benötige ich ein Wertpapierdepot.
  • Vermögensdepot: Während Wertpapierdepots in der Regel beratungsfrei sind und aus sehr risikoreichen Einzelpapieren bestehen, beherbergt ein Vermögensdepot Fonds verschiedenster Risikoklassen. Dabei gebe ich als Kunde einen Teil meiner Verantwortung an die jeweiligen Fondsmanager oder den Berater ab, der mir bei der Depotgestaltung hilft.

Börsenunabhängige Produkte

  • Alternative Investmentfonds (AIF): Diese Fonds zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht an der Börse gehandelt werden können und bestehen häufig aus Immobilienfonds, Hedge Funds und Private Equity Fonds. Im Beispiel des Einkaufswagen gehören die AIFs nicht zu den Produkten, die ich im Laden kaufen kann. Stattdessen benötige ich einen lizensierten Berater, der mir Zugang zu diesen Investments verschaffen kann. Das ist auch gut so, denn AIFS zeichnen sich häufig durch sehr hohes Risiko und hohe Komplexität aus.
  • Firmenbeteiligungen: Gerade in der Zeit der Start-Ups wird es immer einfacher, Firmenbeteiligungen zu erwerben. Aus einer gut laufenden Beteiligung lassen sich langfristig solide Ergebnisse erzielen, die einen Großteil der Versorgung im Alter stemmen können. In dieser Gleichung stecken aber so viele wenns und abers, dass hier mit äußerster Vorsicht agiert werden sollte. Jede Firmenbeteiligung enthält immer auch ein Risiko des Totalverlustes.

Immobilien

Der Begriff Immobilie leitet sich von der Tatsache ab, dass Häuser, Wohnungen und Grundstücke nicht mobil sind. Generell lassen sich zwei Nutzungsbereiche unterscheiden.

  • Fremdgenutzte Immobilie: Der wichtigste Unterschied zur Kapitalanlage in dieser Aufzählung ist der Betreuungsaufwand. Besitze ich eine Immobilie über einen Immobilienfond, wird mir jegliche Pflege abgenommen. Besitze ich eine Immobilie als Vermieter oder Verpächter muss ich den zusätzlichen Aufwand der Verwaltung mit einbeziehen. Um aus einer fremdgenutzten Immobilie einen stabilen Altersvorsorgebaustein zu machen, empfiehlt sich die Kalkulation mit einer externen Gebäudeverwaltung.
  • Eigengenutzte Immobilie: Wenn ich mir ein Haus oder eine Wohnung kaufe und den Kredit bis zum Renteneintritt abbezahlt habe, lebe ich ja völlig mietfrei. Daher ist die eigengenutzte Immobilie ein Teil der Altersvorsorge. Sollte man meinen. Ist aber falsch! Und zwar grundlegend!
    Berechnet man für eine Immobilie die laufenden Nebenkosten und addiert die jährlich notwendigen Wartungsausgaben für ein neues Dach, neue Fenster, neue Heizung, neue Energieeffizienzklassen und was noch so alles dazu kommt, liegt man häufig gleichauf mit einer durchschnittlichen Miete. Einzige Ausnahme ist der gewinnbringende Verkauf der Immobilie und die Rückkehr in ein Mietverhältnis. In diesem Fall könnte ich das Kapital zur Finanzierung meines Lebensabends nutzen. Aber solange ich vor habe in meinem Eigentum zu leben, gehört dies nicht zu meinem Kapital für die Altersvorsorge.

Und was macht man jetzt am besten?

Es gibt leider keine Musterlösung, die zu jedem passt. Schlussendlich muss jeder selbstverantwortlich entscheiden, ob und wie er sein Kapital binden möchte, wieviel Flexibilität notwendig oder gewünscht ist.

Die größte Herausforderung ist sicherlich das Fachwissen, welches nicht nur erlernt und angelesen werden muss, sondern durch täglichen Umgang mit der Materie und dem Erleben von Lebenssituationen geschult werden sollte. Im Idealfall sucht man sich im Vorfeld einen Finanzberater, der über die notwendigen Voraussetzungen und Zugänge verfügt, seine Kunden in allen Teilbereichen kompetent und möglichst unabhängig zu begleiten.

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